Initiationritual des Illuminatenordens (1776)

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Die Initiation zum Illuminatenorden findet an einem abgelegenen dunklen Ort statt, etwa bei Tag in einem Wald oder bei Nacht wenn der Mond scheint in einem stillen Zimmer. In einem Zimmer soll man sich versichert wissen, das die Türen möglichst auch in Vorzimmern verschlossen sind und keiner mitlauschen kann.

Ein Zimmer sollte möglichst finster sein, in ihm stehen in zwei Ecken je ein Tisch mit Öllampe. An einem Tisch sitzt der Einweihende, am anderen der Einzuweihende. Die Lampen sollen grade soviel Licht abgeben, das man sie zum Lesen gebrauchen kann. Den Teilnehmern wird eine Liste Fragen gegeben die sie im Zimmer sitzend oder im Wald stehend überlegt vortragen.

„[Initians:] Was ist ihr Begehren N.N. (hier wird der Ordensname des Einzuweihenden genannt)
Initiandus: Erhabenes Mitglied der erlauchten Ordens, in welchen ich verlange aufgenommen zu werden, die Zeit meiner Probe ist vorbei. Auf ihren Befehl erscheine ich allhier, ich verlange noch einmal nach gehöriger, reifer zweijähriger Überlegung aufgenommen zu werden wenn ich danderst in den Augen der erlauchten Gesellschaft tauglich gefunden werde.
Initians: Ich habe ihr Conduite eingeschickt, Proben ihres Fleißes eingesandt, sie sind dadurch fähig gefunden worden, einer von uns zu sein. Ich wünsche ihnen in diesem Rückfall Glück und ermahne sie zu genauer Befolgung alles dessen was man ihnen fodern wird. - Aus einer zweijährigen Überlegung, Erfahrung, Umgang, Durchlesung der eingeteilten Schriften und Nachrichten werden sie sich notwendig den Begriff gemacht haben, daß der Endzweck unserer Gesellschaft nichts weniger sei, als Macht und Reichtum zu erwerben, die weltlichen oder geistlichen Regierungen zu untergraben, sich der Herrschaft der Welt zu bemächtigen und so weiter. Haben sie sich unsre Gesellschaft unter diesem Gesichtspunkt vorgestellt, oder sind sie in dieser Erwartung hineingetreten, so haben sie sich gewaltig betrogen, und da sie auf etwas ganz Verschiedenes konsertiert, so entlasset sie die Gesellschaft durch mich, wenn sie wollen, unter der Obliegenheit des Stillschweigens gänzlich. Sie sind so frei wie vorhero, die Gesellschaft macht außer dem Fall der Beleidigung keinen Anspruch auf sie. Dagegen haben sie auch von ihr, außer dem ordinäre Zwangs- und Liebspflichten, nichts zu erwarten. – Beharren sie nunmehro noch beständig auf diesem Entschluß?
Initiandus: Ich beharre darauf und verlange, aufgenommen zu werden.
Initians: Haben sie aber auch genug überdacht, dass sie sich neue Verbindlichkeiten aufbürden, daß sie auf diese Art ihre natürliche Freiheit einschränken? Daß sie auch unangenehme Befehle erhalten können? Daß sie Personen antreffen können denen sie abgeneigt sind, die vielleicht gar ihre Feinde sind, daß sie dadurch können gereizt werden, gegen Obere ungehorsam und gegen die ganze Gesellschaft meineidig zu handeln?
Initiandus: Ich habe alles genau überdacht, ich bin vollkommener Herr meines Willens, ich bin genau überzeugt, daß Ausgelassenheit und totale Unabhängigkeit dem Menschen schädlich, daß es notwendig, daß seine Begierden geleitet werden, daß ich ohne Beistand anderer unvermögend und nichts bin, daß nicht alles Unangenehme dem Menschen wahrhaft bös, sowie auch nicht alles Angenehme dem Menschen wahrhaft gut sei. Daß mir nichts ohne dem meinigen und der Gesellschaft Besten und vernünftigen Ursachen werde aufgetragen werden. Die Mitglieder der erlauchten Gesellschaft sind in meinen Augen meiner Liebe würdig genug, wenn die erlauchte Gesellschaft sie der ihrigen würdig erachtet.
Initians: Ich (Ordensname) von der erlauchten Gesellschaft Bevollmächtigter lobe ihre Gesinnung; bevor ich ihnen aber den Eintritt in den Orden gestatte, will ich zuvor ihre Bedingungen hören, unter welchen sie eintreten.
Initiandus: Ich übertrage ihnen und der erlauchten Gesellschaft in ihren Namen alles Recht über mich, anbei auch die Pflicht, für mich, meine Sicherheit und wahres Beste, daß mit dem Wohl der Gesellschaft bestehen kann, zu sorgen. Dafür verbinde ich mich, gehorsam zu sein, sie zu ehren, zu dem Besten der Gesellschaft alle meine Kräfte zu verwenden. Sollte ich aber von der Gesellschaft erfahren, daß sie bloß zu meinem wahren, nicht aber eingebildeten, Schaden denke, dass sie mich bloß nach ihrem Eigensinn behandlen und missbrauchen wolle, so verfluche ich sie, betrachte sie als meinen Feind, und bin zu schwach das Joch abzuwerfen, so will ich solches mit Unwillen ertragen, und der Sklav dieser Gesellschaft soll ihr ärgster heimlicher Feind sein.
Initians: Ihr Begehren ist gerecht und vernünftig, ich verspreche ihnen dahero im Namen unserer erlauchten Obern, im Namen aller Mitglieder und des ganzen Ordens, Schutz und Gerechtigkeit und Beistand; dagegen steht die Gesellschaft vor keine Unbilde, die sie sich durch Verschulden zugezogen oder dadurch, daß sie auf die Macht und Beistand des Ordens gesündigt haben. Aber (hier wird der Ordensname des Einzuweihenden genannt und ihm der Degen auf die Brust gesetzt) sollst du Verräter oder Meineidiger werden, so sehe hier in diesem Degen alle und jede von der Gesellschaft gegen dich in Waffen. Glaube nicht sicher zu sein, wo du auch immer hinfliehest, die Schand und Vorwürfe deines Herzens und die Rache deiner die unbekannten Brüder wird dich bis in dein Innerstes peinigen und verfolgen.
Nunmehro, wenn sie noch darauf bestehen legen sie nachstehenden Eid ab.
Der Eid
wird abgelegt mit über den Kopf gehaltener flacher Hand.
Ich N.N. bekenne hier vor Gott dem Allmächtigen und vor ihnen, würdiger Bevollmächtigter des erlauchten Ordens, in welchen ich verlange aufgenommen zu werden, dass ich diese meine natürliche Schwäche und Unvermögenheit erkenne, daß ich mit allem Rang, Ehre und Titel, die ich in der bürgerlichen Gesellschaft fodern kann, im Grunde nichts weiter bin als ein Mensch. Daß ich alles übrige und mehrere, gleichwie ich es durch meine Nebenmenschen erhalten, ebenso auch durch sie verlieren kann, daß ich solchen nach aller Möglichkeit zu verdienen suchen werden, noch vielweniger aber meine sowohl gegenwärtig als zukünftige Mach und Ansehen zum Nachteil des allgemeinen Besten gebrauchen, wohl aber den Feinden des menschlichen Geschlechts und der bürgerlichen Gesellschaft nach meinen widerstehen wolle.
Ich bekenne und schwöre ferner, dass ich alle Gelegenheiten der Menschheit zu dienen, begierig ergreifen, meine Erkenntnis und Willen verbessern und meine nützliche Einsichten allgemein machen wolle, insofern es das Wohl und die Statuten gegenwärtiger Gesellschaft von mir fordern werden.
Ich gelobe auch ewiges Stillschweigen in unbrüchlicher Treue und Gehorsam allen Obern und Satzungen des Ordens. Ich tue hier treuliche Verzichte auf meine Privat-Einsicht und Eigensinn wie auch auf allen meinen eingeschränkten Gebrauch meiner Kräfte und Fähigkeiten.
Ich verpflichte mich, das Beste des Ordens als mein eigenes anzusehen und bin bereit, solchem, so lang ich ein Mitglied davon bin, mit meinem Gut, Ehr und Blut zu dienen. Sollte ich jemalen aus Überlegung, Leidenschaft oder gar Bosheit handeln, so unterwerfe ich mich allen Ahndungen und Strafen, so mir von meinen Obern zuerkannt werden.
Ich verspreche weiters, daß ich in den Angelegenheiten des Ordens nach bestem Wissen und Gewissen mit Aufopferung meines eigenen Privat-Vorteils raten und handeln, wie auch alle Freunde und Feinde der Gesellschaft als meine eigene betrachten, gegen diese aber mich auf keine andere Art betragen wolle, als nach der Anweisung der Gesellschaft mir wird aufgetragen werden.
Nicht weniger bin ich bereit auf alle erlaubte Art und Weise auf ihre Vergrößerung und Vermehrung bedacht zu sein und meine Kräfte nach Möglichkeit zu verwenden.
Ich verzeihe mich zu solchem Ende auf allen geheimen Vorbehalt und gelobe dieses alles nach der Intention der Gesellschaft, die mir diesen Eid auferlegt,
so wahr mir Gott helfe.“

(„Die Illuminaten: Quellen und Texte zur Aufklärungsideologie des Illuminatenordens“, S. 69-72)


Nach diesem Eid werden dem angehenden Kandidaten folgende Dinge vorgetragen.

  1. Dass er immer noch zurücktreten kann, aber ihn seine Schweigpflicht stärker bindet
  2. Dass große Teile des Ordens für ihn noch im unbekannten liegen, ihm aber Mittel gegeben werden um diese Teile zu entdecken.“(Hier werden ihm die Zeichen gelehrt)“
  3. Dass er eine Verzeichnis seiner Bücher in einem Monat anfertigen soll.
  4. Dass er eine schriftliche arbeit anfertigen soll zu den Fragen
    1. Was sollte Endzweck des Ordens sein?
    2. Welche mittel soll der Orden dazu anwenden?
    3. Welche Organisation bräuchte so ein Orden?
    4. Was ist in so einem Orden zu vermeiden?
    5. Was für Personen er in so einem Orden anzutreffen hofft?

Der zu Initierende kann zu jeder Zeit die Initiation abbrechen und aus dem Orden entlassen werden.