Iboga

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[edit] Tabernanthe Iboga

Die tropische Pflanze kommt in Gabun und in den umliegenden Gebieten des Kongos sowie von Kamerun bis Angola vor, wird aber in vielen Gegenden Westafrikas angebaut. Sie ist eine typische, schattenliebende Unterholzpflanze, die auf Höhen zwischen 0 und 1500 Metern gedeiht und oft an Flußläufen und in sumpfigen Gebieten gefunden wird (VONK und LEEUWENBERG 1989:11).

In Gabun werden die Wurzeln von lebenden Pflanzen geerntet. Dazu wird ein kleines Loch in der Erde am Wurzelstock ausgehoben. Ein Teil der Wurzeln wird abgetrennt; dabei wird so viel vom Wurzelstock übriggelassen, daß die Pflanze weiterleben und neue Wurzeln austreiben kann. Die Wurzel oder Wurzelrinde wird getrocknet und geraspelt oder zermahlen. Die extrem bitter und abstoßend schmeckende Wurzel wird entweder gegessen und mit Wasser heruntergespült oder seltener als Tee aufgebrüht. Im Kongo wird ein Aphrodisiakum aus der frischen oder getrockneten Wurzel hergestellt. Sie wird für ein paar Stunden in Palmwein eingelegt und ausgezogen (BOUQUET 1969: 67). Ein gehäufter Teelöffel voll Wurzelpulver wirkt als Stimulans (Wachmacher) und erzeugt eine angenehme Euphorie (SAMORINI 1993: 6). 6 bis 10 g des getrockneten Wurzelpulvers lösen Visionen und psychedelische Halluzinationen aus. Bei der Initiation in den Bwitikult werden 50 bis 100 g, manchmal wohl noch mehr (200 g) verspeist. Bei einer Gabe, die 2 bis 10 mg pro kg Körpergewicht (als Ibogain berechnet) entspricht, kommt es zu einer nicht-amphetaminähnlichen Stimulation des Zentralnervensystems, bei einer Menge, die 40 mg Ibogain pro kg entspricht, werden die Serotonin-Rezeptoren besetzt, und es tritt eine LSD-ähnliche Wirkung ein (BRENNEISEN 1994:892).

[edit] Inhaltsstoffe

In der getrockneten Wurzelrinde können insgesamt bis zu 6'% monoterpene Indolalkaloide enthalten sein (BRENNEISEN 1994: 892, SCHULTES 1970: 36 ). In der ganzen Wurzel liegt die Alkaloidkonzentration bei ca. 1 % (ROTH et al. 1994: 688*). Sie lassen sich in drei Gruppen einteilen: Ibogaintyp (Ibogain, Tabernanthin, Ibogamin, Gabonin, Ibogalin usw.); Voacangintyp (Voacangin, Catharanthin, Voacryptin usw.); Voaphyllintyp (Voaphyllln) (BRENNEISEN 1994: 890). Der Hauptwirkstoff ist das Ibogain. Als weiterer wichtiger Wirkstoff ist das Voacangin in Betracht zu ziehen (vgl. Voacanga spp.). Das Alkaloidgemisch ist je nach Sippe, Standort usw. variabel. Viele der Ibogaalkaloide kommen auch in Tabernaemontana spp. vor. In den Samen kommen die Alkaloide (-)-Catharanthin, (+)-Voaphyllin und (-)-Coronaridin vor (ROTH et al. 1994: 6880.


[edit] Wirkung

Die Fang beschreiben Visionen infolge der Einnahme von Iboga als ╗durch den Wald wandeln½. Sie erleben, daß sie die ganze wunderbare Welt des Waldes in sich selbst tragen. Stereotyp sind die Berichte in Hinblick auf die visionäre Begegnung mit den Ahnen (FERNANDEZ 1982: 476ff.). Obwohl nur wenige Weiße die Gelegenheit hatten, die Ibogawurzel zu benutzen, sind doch auch ihre Berichte in mancher Hinsicht konstant. Es wird von starken, aber ruhigen Visionen erzählt und vor allem der Kontakt mit verstorbenen Familienmitgliedern, unbekannten Menschen und Tieren (╗Ahnen½ im weitesten Sinne) angeführt. Folgender Bericht einer Ibogaerfahrung kann als typisch angesehen werden: ╗ Vor mir stieg ein weißes Licht auf. Zuerst als unendlich kleiner Punkt. Der Punkt wuchs allen mathematischen Definitionen zum Trotz. Er wurde größer, bildete aber keinen Kreis ... Er wurde zu einem Dreieck, genaugenommen zu einem dreieckigen Kristall, der weiß glühte. Ich wußte, er ist das Zentrum des ewigen Kreises. Seine drei Kristallflächen waren Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Alle drei Aspekte der Zeit waren eins, sie berührten sich und ergaben zusammen die Welt. Ich hatte das kosmische Juwel vor mir. In der Tat ist die Etymologie von Kosmos Juwel. Auch Buddha hält ein Zauberjuwel, aus dessen Glanz die Welt entsteht, in seiner erleuchteten Hand. Um den dreieckigen Kristall lagen viele ockerbraune Schichten. Eine jede beherbergte eine andere. Alle Schichten durchdrangen sich in alle Richtungen. Jede Schicht war ein Abschnitt in der Entwicklung des Universums, in der Evolution des Lebens, in der Entfaltung des Bewußtseins. Jede Schichtenfolge, ob es die vergangene, gegenwärtige oder zukünftige war, transzendierte bis zur Unendlichkeit. Dort trafen sich die Schichten wieder. Die Unendlichkeit war die äußerste Reichweite des Kristalls, und sie lag genau in dessen Mitte. Ich sah eine Kultur, die jenseits aller Kulturen und doch allen Kulturen inhärent ist. Ich sah Götter, die jenseits aller bekannten Götter und doch in allen Göttern enthalten sind. Ich sah Reihen von Ahnen, die alle jenseits der Menschen sind und doch bis heute auf sie einwirken. Ich sah die Archetypen. Sie tanzten Ringelreihen in allen Bewußtseinseinheiten und führten sie sicher durch das Universum. Maya ist nicht der Schein der Dinge. Maya sind die Masken der Archetypen. Wir brauchen Maya, sonst würden wir die Welt nicht mehr verstehen. Es gab keinen Einhalt in diesem Erkenntnisstrudel, ein Gesicht jagte das nächste. Und doch blieben alle Gesichter bestehen. Ich erinnerte mich noch niemals zuvor so gut an Gesichter. Sie sind seitdem nicht mehr geschwunden. Ich kann klar alles erinnern, nichts ist verwirrt. Der Extrakt der Wurzel hat eine stark stimulierende Wirkung auf das Gehirn, die aber nicht mit der durch Amphetamine (vgl. Ephedrin) erzeugten Stimulation vergleichbar ist (BERT et al. 88). Die Wirkung der Wurzel ist auch anders als die des isolierten oder reinen Ibogains, da auch die anderen Alkaloide zu bestimmten Rezeptoren eine Affinität aufweisen oder Antagonisten darstellen (z.B. hat Tabernanthin an den Benzodiazepin- und GABA-Rezeptoren eine antagonistische Aktivität).

[edit] Ibogain

http://www.erowid.org/languages/german/drug_reference/images/Ibogain.gif [Bild: http://www.erowid.org]

Weitere Namen: 12-Methoxy-ibogamin, ibogaine (engl.)

Stoffklasse: Indolalkaloide, Indolalkylamine, Ibogantyp

[edit] Spezifikation:

Ibogain bildet weisse Nadeln, die in EtOH, Et2O, CHCl3, Aceton und Benzol loeslich sind. Der Schmelzpunkt (mp) betraegt 148-150 Grad Celsius. Die Summenformel lautet auf C_20H_26N_2O. Das Mol.Gew. betraegt 310,42. Kristallisiert mit prismatischen Nadeln aus EtOH, der mp betraegt dann 152-153 Grad Celsius; (62/439) Das Hydrochlorid hat einen mp von 299-300 Grad Celsius (erniedrigt). Es ist loesl. in H2O. [Quelle: http://www.erowid.org/languages/german/drug_reference/ibogain.shtml]


Ibogain ist chemisch nah mit den ß-Carbolinen, besonders mit Harmalin/Harmin verwandt und gehört zu den zyklischen Tryptaminderivaten. Ibogain wurde erstmals 1901 in Frankreich aus der Wurzelrinde von Tabernanthe iboga isoliert (DYBOWSKI und LANDGREN 1901 1901). lbogain und analoge Alkaloide (Ibogaintyp) kommen auch in Partdaca retttsa (LAM.) McF. (Syn. Tabernaenton tana rettcsa (LAM.) PICHON; vgl. Tabernaemontana spp.], einem in Madagaskar heimischen Hundsgiftgewächs, vor (LE MENOLIVIER et al. 1974). In vielen Gattungen der Apocynaceae kommen ibogainartige Indolalkaloide (Ibogamin, Tabernanthin, Voacangin, Ibogalin) vor: Tabernaernontana, Voacanga spp., Stemtnadenia, Ervatanna, Gabitnea (PRINS 1988: 5). Zwischen 1940 und 1950 wurde Ibogain vor allem in Frankreich erforscht. Da es stark anregende Eigenschaften aufwies, wurde es zunächst pharmakologisch auf neuropharmakologische Wirkungen untersucht. Erst später wurde die halluzinogene Wirkung genauer studiert (SANCHEz-RAMOS und MASH 1996: 357).

[edit] Dosierung und Anwendung

Bis zu 8 mg Ibogain pro Tablette werden als Stimulans (2 bis 4 Pillen pro Tag) bei Erschöpfungszuständen, Schwäche usw. gegeben. Dabei treten folgende Nebenwirkungen auf: Übelkeit, Erbrechen, Ataxie. Für psychotherapeutische Zwecke (BAUMANN) wurden Dosierungen von 3 bis 6 mg/kg Körpergewicht des Ibogainhydrochlorids verwendet. Für psychoaktive Zwecke werden Dosierungen um 200 mg angegeben (PRINS 1988:47).

Text: Christian Rätsch, "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen"

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