Cebil

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[edit] Anadenanthera colubrina Cebil, Villca

[edit] Familie

Leguminosae (Hülsenfruchtgewächse); Sektion Mimosoideae: Eumimoseae Formen und Unterarten Es gibt zwei Varietäten oder Unterarten, die geographisch getrennt vorkommen (VON REIs ALTSCHUL 1964): Anadenanthera colubrina var. colubrina ALTscHUL: nur im östlichen Brasilien'1, Anadenanthera colubrina var. cebil (GRISEBACH) ALTSCHUL: im südlichen Andenraum und anschließenden Gebieten (Argentinien, Bolivien, Paraguay, Peru, südöstliches Brasilien)

[edit] Synonyme

Acacia cebil GRISEBACH Anadenanthera excelsa GRISEBACH'? Anadenanthera macrocarpa (BENTH.) SPEGAZZINI Piptadenia cebil GRISEBACH Piptadenia colubrina BENTH. Piptadenia grata (WILLD.) MACBR. Piptadenia macroearpa BENTHAM = A. colubrina var. cebil

[edit] Volkstümliche Namen

Aimpä, Aimpä-kid, Algarobo, Angico, Angico do cerrado, Cabuim, Cebil, Cebil, Cebil, Cebil blanco, Cebil colorado, Cebilo, Cevil, Cevil blanco, Cevil colorado, Cibil, Curubu~y, Curupai, Curupai-curü, Curupai, Curupaü blanca, Curupaü barcino, Curupay's, Curupäy, Curupayti, Guayacän"', Hataj (Wichiname des Schnupfpulvers), Hatax, Huilca, Huillca, Jataj, Kurupä, Kurupai, Kurupairai, Kurupayara, Quebrachol°, Sebil, Sebil, Sevil, Tara Huillca, Tek (Wichi), Teek, Uillca, Uataj, Una de gato (spanisch ╗Katzenkralle½);1, Vilca, Vilcas, Villca, Wilka, Wil'ka, Willca1'-, Willka, Xatax Meist sind die Namen des Baumes mit dem Namen für das daraus bereitete Schnupfpulver identisch.


[edit] Geschichtliches

Die Samen der Cebil genannten Varietät wurden bereits vor über 4500 Jahren in der Punaregion von Nordwestargentinien in Pfeifen geraucht (FERN─NDEZ DISTEL 1980);1. Der Gebrauch scheint sich besonders auf die Kultur von Tiahuanaco (wörtl. ╗Wohnstätte des Gottes½) ausgewirkt zu haben. Der Gebrauch als Schnupfpulver wurde im südlichen Andenraum erstmals um 1580 in der Relaciciii des Cristobal de Albornoz erwähnt; der Gebrauch als Zusatz zum Maisbier (Chicha) ist 1571 von Polo de Ondegardo beschrieben worden. Die Matacoindianer sollen noch bis in dieses Jahrhundert hinein einen vino de cebil (Cebilwein) gebraut haben. Ob die kolonialzeitlichen Angaben über die Verwendung der Villcasamen tatsächlich die Samen der Anadenanthera coliibriria bezeichnen, sei dahingestellt. Immerhin werden heute noch andere Bäume als vilca bezeichnet (Acacia visco, Aspidosperma quebracho-blanco).In Nordwestargentinien ziehen sich in der Gegend von Salta ganze Cebilwälder über die Berge und Hänge.

[edit] Anbau

Die getrockneten Samen können zum Keimen gebracht und dann eingepflanzt werden. Der Baum wächst relativ schnell und läßt sich sowohl in tropischen als auch in subtropischen Klimata ziehen.


[edit] Aussehen

Der nur 3 bis 18 Meter hoch wachsende Baum hat eine fast schwarze Rinde, die oft mit kegeligen Stacheln oder knotigen Schnüren besetzt ist. Die Blätter sind fein gefächert und bis zu 30 cm lang. Die weißgelblichen Blüten sind ballförmig. Die ledrigen, dunkelbraunen Fruchtschoten werden bis zu 35 cm lang und enthalten 1 bis 2 cm breite, sehr flache, rundliche bis rechteckige Samen von rotbrauner Farbe. Der Baum ist kaum von der nah verwandten Anadenanthera peregrina zu unterscheiden (VON REIs ALTSCHUI. 1964). Abends, in der Dämmerung, geht der Baum ╗schlafen½ : die gefiederten Blätter falten sich zusammen. Am nächsten Morgen öffnen sie sich wieder. An den Stengeln der Blätter gibt es kleine Drüsen, die eine süße Flüssigkeit ausscheiden. Bestimmte Ameisen werden dadurch angezogen und trinken den Nektar. Bei dieser Gelegenheit vernichten die Ameisen andere Schädlinge, die für den Baum gefährlich werden könnten. Der Baum wird oft mit anderen Arten aus derselben Familie verwechselt. So wurde der in San Pedro de Atacama (Nordchile) vilca genannte Baum Acacia visco LORENTz ex GRISEB. [syn. Acacia Visite GRISEB., A. platensis A. MANGANARO, Manganaroa platetlsis (MANG.) SPEG.] schon von professionellen Botanikern fälschlich als A. coliibrina identifiziert (mündliche Mitteilung von C.M. TORRES). Die botanische Identifikation ist nicht immer leicht, da die Art recht variabel auftritt: So kann die var. colubrina Samenschoten ausbilden, die genau denen der Gattung Prosopis gleichen (VON REIS ALTSCHUL 1964: 11).


[edit] Droge

Samen (Semen Anadenanthera colubrina)


[edit] Zubereitung und Dosierung

Die reifen Samen werden getrocknet und eventuell leicht geröstet, sodann möglichst fein zermahlen. Bereits 150 mg bis 0,5 g des Pulvers sind bei nasaler Applikation wirksam. 1 g (entspricht etwa dem Gewicht eines großen Samens) ist eine starke, visionäre Dosis. Zum Rauchen werden die reifen, getrockneten Samen leicht geröstet und grob zerstoßen. Etwa 5 bis 8 Samen werden, mit Schnittabak (Nicotiana tabacum) und eventuell den Blättern von Aromo [Aniaratithiis sp.; Acacia caven (MOL.) MOLINA oder Acacia fartiesiaria, vgl. Acacia spp.] vermischt, in eine Zigarette gedreht. Eine halbe Zigarette pro Person sollte reichen. Zur oralen Einnahme werden die Samen oder der daraus gepreßte Saft mit Chicha vermischt getrunken. Zwei bis drei Samen werden mit der Wurzel von Polypodium sp. in Wasser gekocht und getrunken. Die gekochten Samen können auch mit Honig vermischt gegessen werden; ein anderes Rezept nennt sechs zermahlene Samen, die mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden (VON REIS ALTSCHUL 1972: 38).

[edit] Rituelle Verwendung

Die Villca genannten Samen müssen in der vorspanischen Zeit in Peru von größter ritueller und religiöser Bedeutung gewesen sein, denn die andinen Priester von hohem Rang sowie bestimmte Wahrsager (iirriii) wurden ebenfalls villca oder vilca caniayo genannt (COBO 1990: 267, SALOMON und URIOSTE 1991: 256; villac [sic!] bei ARRIAGA 1992: 31 *, VON REIS ALTSCHUL 1967). Ein indianisches Heiligtum (hilaca) wurde ebenfalls als villca, vilcacona oder vilcabatriba, ╗Ort der Villcabäume½ oder ╗Villcawald½ bezeichnet, und ein besonders heiliger Berg hieß Villca Coto. Auf die Spitze dieses Berges zogen sich die überlebenden Menschen der Urzeit bei einer Sintflut zurück (ebd.: 51 *). Es gibt noch zahlreiche weitere Beispiele dieser Art (vgl. VON REIS ALTSCHUL 1972). Außerdem war villca anscheinend ein Name für Klistiere. Villca-Samen hatten eine große rituelle Bedeutung als Bierzusatz für zeremoniell getrunkene Chicha. Dazu wurde ╗der Saft½ von Villca in das gegorene Getränk geträufelt und vom Wahrsager (urtlii) oder ╗Zauberer½ (= Schamane) getrunken, uni in die Zukunft blicken zu können (COBo 1990) . Der rituelle oder schamanische Gebrauch von Schnupfpulvern aus dieser Anadenanthera-Art ist für folgende Stämme belegt: Quetschua, Piro, Chiriguano, Yabuti, Atacama (Kunza), Comechingön, Diaguita, Allentiac, Millcayac, Humahuaca (Omaguaca ), Ocloya, Mataco (Mataguayo, Nocten ), Vilela und Guarani (VON REls ALTSCHUL 1972). In der Puna genannten Region in Nordwestargentinien finden sich die ältesten archäologischen Belege für einen rituellen oder schamanischen Gebrauch der Cebilsamen (FERNANDEZ DISTEL 1980). Die Schamanen der in Nordwestargentinien lebenden Wichi (= Mataco) benutzen noch heute das hataj genannte Schnupfpulver (CALIFANo 1975). Die Matacoschamanen rauchen die getrockneten und gerösteten Samen lieber in Pfeifen oder Zigaretten, als daß sie das Pulver schnupfen. Die Matacoschamanen glauben, daß sie nur durch hataj in die andere Wirklichkeit eindringen und auf sie einwirken können (ARENAS 1992, CALIFANO 1975, DomiNGUEZ und PARDAL 1938). In den letzten Jahren sind einige Mataco zum Christentum bekehrt worden. Sogleich wurde der biblische Baum der Erkenntnis mit Cebil identifiziert(ARENAS 1992). Allerdings sehen die Mataco darin keine ╗verbotene Frucht½, sondern die Frucht eines heiligen Baumes, der von den Schamanen zum Heilen verwendet wird. Der Schamane Fortunato Ruiz bezeichnet die Cebilsamen als ╗Tore in die andere Welt½. Er raucht die Samen mit Tabak und Aromo - ganz wie seine Ahnen vor fünftausend Jahren. Somit ist Nordwestargentimen der Ort mit der längsten ununterbrochenen Tradition des rituellen/schamanischen Gebrauchs einerpsychoaktiven bzw. psychedelischen Substanz.

[edit] Artefakte

In Nordwestargentinien (Puna) und Nordchile (Atacamawüste) sind zahlreiche präkolumbianische Schnupfpulverparaphernalia (Schnupftabletts, Schnupfröhren) gefunden worden, deren Ikonographie von den Visionen durch die Cebilsamen geprägt wurde (siehe Schnupfpulver). Auch mehrere Pfeifen aus Ton wurden dort entdeckt; die Pfeifenköpfe enthielten z.T. noch Cebilsamen. Die Petroglyphen und Geoglyphen in der Atacamawüste ebenso wie die Darstellungen auf der Keramik der argentinischen Punaregion erinnern deutlich an Cebilvisionen. Die von Cebil ausgelösten Halluzinationen 3 scheinen im wesentlichen die Ikonographie des sogenannten Tiahuanacostils beeinflußt zu haben. Auch die Ikonographie von Chavin de Huantar ist von ähnlichen Motiven durchzogen. So können etwa die ineinander verschlungenen und verknäulten Schlangen, die dem Orakelgott aus dem Kopf kommen, als Cebilhalluzinationen gedeutet werden. Auf einem zweitausend Jahre alten, schamanischen Textil aus der Chavinkultur sind Fruchtschoten dargestellt, die durchaus als Anadenanthera coliibrina gedeutet werden können (CORDY-COLLLNS 1982 ). Auch verschiedene ikonographische Elemente in der Chavinkultur wurden bereits als Darstellungen von Anadenanthera sp. gedeutet (MULVANY DE PENALOIA, 1984' ). Es gibt mehrere Malereien auf Keramiken der präkolumbianischen Moche oder Chimu, diP Bäume zeigen, die aufgrund ihrer ikonographischen Zusammenhänge sowie der botanischen Darstellung durchaus als Anadenanthera colubrina gedeutet werden können (unter Archäologen werden diese Bäume üblicherweise als ╗Algarrobobaum½j5 gedeutet; KUTSCHER 1977: 14*, LIESKE 1992: 155). Die deutsche Künstlerin Nana Nauwald hat 1996 eine Erfahrung mit Cebilsamen in einem Gemälde dargestellt. Das Bild trägt den Titel ╗Nichts ist getrennt von mir½ und zeigt die typischen ╗wurmartigen½ Visionen. In dem Roman ╗Der Inka½ wird mehrfach der psychoaktive Villcagebrauch beschrieben (PETERS 1995' ). Die Mataco stellen Taschen, Netze usw. aus Agavenfasern her, die z.T. mit Cebilrindenextrakten gefärbt werden. Aus den Samen wurden früher auch Armbänder gefertigt.

[edit] Medizinische Anwendung

Der Tee aus den Cebilsamen und der Polypodium-Wurzel wird bei Verdauungsproblemen getrunken. In Chicha werden die Samen als Heilmittel bei Fieber, Melancholie und anderen mysteriösen Krankheiten getrunken. In Honig werden sie als Diuretikum oder zur Förderung der weiblichen Fruchtbarkeit benutzt (VON REIS ALTSCHUL 1972: 38). Andererseits gilt Cebil als Abtreibemittel (ebd.: 78). Das Gummiharz der var. colubrina wird ähnlich wie Gummi Arabicum (siehe Acacia spp.) verwendet und soll gut bei Husten wirken. Die sonnengetrockneten Samen der var. colubrina werden als Schnupfpulver zur Behandlung von Verstopfung, chronischer (rippe und Kopfschmerzen eingenommen (ebd.). Die Mataco benutzen ein Dekokt aus den frischen, d.h. noch grünen Cebilschoten zur Kopfwäsche bei Kopfschmerzen.

[edit] Inhaltsstoffe

Die Samen enthalten Tryptamine, vor allem Bufotenin. Manche Varietäten enthalten ausschließlich Bufotenin (PACHTER et al. 1959'). Die für Argentinien beschriebene ╗Piptaderria rnacrocarpcl½ (= Cebil) enthält Bufotenin (FISH und HORNING 1956). Anderen Analysen zufolge enthält die Samenprobe von ╗Piptaderiia titacrocarpa½ 5-Me0-MMT, DMT, DM'1'-N-Oxide, Bufotenin sowie 5-OH-DMT-N-Oxide; die Samenprobe von ╗Piptacletiia excelsa½ DM'I', Bufotenin und Bufotenin-N-Oxide; und die Samenprobe von ╗Piptadenia collsbrina½ lediglich Bufotenin (FARNSW╓RTH 1968: 1088'` ). Alte Proben von Samen enthielten lediglich 15 mg/g Bufotenin (DE S1vtET und RIvIER 1987). Die frisch geernteten und schnell getrockneten Samen der im nordöstlichen Argentinien (Salti) verbreiteten Bäume enthalten nach einer bisher unveröffentlichten Analyse von Dave Repke hauptsächlich Bufotenin (über 4%), ein anderes Alkaloid (vielleicht Serotonin), ansonsten keine weiteren Tryptamine oder andere Alkaloide. In einer Probe konnte derselbe Chemiker 12'% Bufotenin feststellen (mündliche Mitteilung von C.M.T0RRES)! Ob die Fruchtschoten oder die Wurzelrinde Tryptamine enthalten, ist bisher nicht untersucht worden. Die reifen Fruchtschoten enthalten etwas Bufotenin.

[edit] Wirkung

Die Wirkung des Cebilschnupfpulvers hält ca. 20 Minuten an und umfaßt starke Halluzinationen, die oft nur schwarzweiß, seltener farbig erscheinen. Sie sind nicht oder nur in Ausnahmefällen geometrisch, sondern stark fließend und dezentralisiert. Sie erinnern deutlich an die Darstellungen der Tihuanacokultur. Geraucht wirken die Cebilsamen ebenfalls halluzinogen. Die Wirkung ist während ca. 30 Minuten sehr stark und klingt innerhalb von zwei Stunden völlig ab. Diese kurze Wirkdauer macht Cebil zu einer idealen Droge zur schimanischen Diagnostik. Die Wirkung beginnt mit einem Gefühl körperlicher Schwere. Nach etwa 5 bis 10 Minuten treten bei geschlossenen Augen visuelle Halluzinationen auf, die entweder wie Phosphene (entoptische oder endogene Lichterscheinungen, die in Form charakteristischer Muster vom ╗inneren Auge½ gesehen werden) erscheinen oder wurmund schlangenartig ineinandertließen. Weniger häufig treten symmetrische, kristallographische Halluzinationen auf. In seltenen Fällen kommt es zu starken Visionen mitWirklichkeitscharakter (Flugerlebnisse, Reisen in andere Welten, Tierverwandlungen). (Aus Christian Rätsch: "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen")


Bei Cebil kommt es ganz besonders extrem auf Set und Setting an. Fehlt dieses, so treten die oben beschrieben Phänomene auf; stimmt aleerdings das Setting - also in der Hyperaktiiven 1., Phase gut hell und in der sedativen Phase gut dunkel, dann treten out of body experiances, Urwaldvisionen und ggf. ein paar kleine Wesen - Menschen? mit Rüssel oder sind es Geister? oder Dämonen? oder Götter? und dann das 3.Ich als Monster und das 2. Ich (Seele) als Lichtpunkt auf, dann Inbody-Erfahrung - Zack und der Trip endet dann ebenso schlagartig wie er begann....


Genauso wichtig wie Set und Setting ist die Korrekte Zubereitung des Cebil-Schnupfpulvers. Eine genaue Anleitung mit vielen schönen Fotos aus Amazonien über den Yopo-Ritus steht in Schultes, Hofmann: "Pflanzen der Götter"; Alles in Allem: Der Trip versetzte mich in den Urwald und ich sah ihn in einer Makropsie (Froschperspektive) als ob ich eine Kröte wäre... Alles wunderschön..

siehe auch Cebil_In_Tabak_Geraucht

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