Atropin

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Das Atropin wurde erstmals 1820 von Rudolph Brandes aus der Tollkirsche (Atropa belladonna) isoliert und nach ihrem Gattungsnamen benannt.

Atropin kommt in vielen Nachtschattengewächsen (Solanaceae) vor (besonders in den Gattungen Atropa, Brugmansia, Datura, Hyoscyamus, Lattia, Mandragora). Atropin ist chemisch mit Kokain verwandt (WILLST─DTER 1889).

Atropin ist nah verwandt mit Scopolamin und Hyoscyamin. Das in vielen lebenden Pflanzen vorkommende Hyoscyamin racemisiert beim Trocknen oder bei der Lagerung der Rohdrogen schnell zu Atropin.

Therapeutische Dosierungen liegen meist bei 1 mg. 10 mg können möglicherweise bei Kindern oder Babys tödlich wirken; anders bei Erwachsenen:

╗Relativ hohe Dosen (ab 10 mg Atropinsulfat) haben zentralerregende Wirkung, die vor allem Großhirn, Zwischenhirn und Medulla oblongata betreffen. Der Erregung folgt eine narkoseartige Lähmung, die zum Koma und zur tödlichen Atemlähmung führen kann.½ (ROTH et al. 1994: 945*)

Bei Erwachsenen liegt die tödliche Dosis bei ca. 100 mg, oral aufgenommen (ROTH et al. 1994: 765* ).

Zum Wirkungsprofil gehören psychomotorische Unruhe, Erregung, ständige Wiederholung derselben Handlungsabläufe, Rededrang, Euphorie, Weinkrämpfe, Irrereden, Halluzinationen, Krämpfe, Tobsucht, Hautrötung, Austrocknung der Schleimhäute, Koma, Bewußtlosigkeit, Herzrhythmusstörungen (ROTH et al. 1994: 945* ).

Besonders charakteristisch ist die anhaltende Mydriasis (Pupillenerweiterung). Deswegen wurde Atropin auch als Mydriatikum in die Medizin (Augenheilkunde) eingeführt (JÜRGENSEN 1930).

Atropin ist aber auch Bestandteil von Basisnarkotika (in Verbindung mit Morphin). Atropin wird auch oft vor Operationen gespritzt, damit die Schleimhäute während des Eingriffs trocken liegen und sich der Patient nicht am eigenen Speichel verschluckt.

Atropin wurde auch in der Asthmabehandlung eingesetzt (TERRAY 1909).

Wird Atropin oral aufgenommen sind die typischen Effekte (Mundtrockenheit, Pupillenvergrößerung, Anstieg der Pulzfrequenz) etwa doppelt so stark ausgeprägt wie bei intramuskulärer Injektion (MIRAKHUR 1978).

Atropin wird z.T. unverändert im Urin wieder ausgeschieden (ROTH et al. 1994: 945* ).

Atropin ist ein wichtiges Antidot bei Vergiftungen (Überdosierungen) mit dem Pilzgift Muscarin, Digitalis purpurea, Blausäure, Opium und Morphin (R╓MPP 1995: 2980). Andererseits werden Atropinüberdosierungen mit Morphin erfolgreich behandelt.


Wegen der unangenehmen Nebenwirkungen (Mundtrockenheit, Schluckbeschwerden, Sehstörungen, Verwirrung) hat Atropin als Reinalkaloid nie eine kulturelle Bedeutung als psychoaktive Substanz erlangt. Dennoch wird in der medizinischen Literatur gelegentlich von ╗Atropinsucht½ berichtet (FLINCKER 1932).

Text: Christain Rätsch, "Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen", Bild: http://www.erowid.org ________________________________________________________________________________________________________________________ ..... >>Atropin ist ein wichtiges Antidot bei Vergiftungen (Überdosierungen) mit dem Pilzgift Muscarin, Digitalis purpurea, Blausäure, Opium und Morphin (R╓MPP 1995: 2980). Andererseits werden Atropinüberdosierungen mit Morphin erfolgreich behandelt. .....

Sorry, nicht wirklich. Atropin ist als Antidot gegen Muscarin geeignet, das stimmt; viel wichtiger ist es aber als Gegengift für die sogenannten Nervengase und für "Pflanzenschutzmittel" aus der Reihe der Organophosphate und Carbamate.

Gegen Blausäure, Opium, Morphin, Digitalis taugt es nur wenig bis gar nicht.

Ebensowenig ist Morphin ein gutes Gegenmittel bei Atropinvergiftungen; hier setzt man z. B. Physostigmin ein.

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